05.12.2008
BioCer GmbH ist "Ausgewählter Ort im Land der Ideen" 2009
22.11.2008
Preis "Bestes Poster des Jahres" der DGBM
04.08.2008
Wirtschaftsministerin Emilia Müller zu Gast bei FBI und BioCer
16.07.2008
Workshop 'Nanobeschichtungen von Textilien'
10.07.2008
Studentenexkursion zur Fa. Tutogen Medical GmbH
19.03.2008
Workshop mit Lehrstuhl Biomaterialien
15.02.2008
FBI gewinnt "Oberfranken Oscar"
Pressemitteilung zur Institutsgründung ... |
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Heute Vertrag mit Burgkunstadter Unternehmen unterzeichnet:
Friedrich-Baur-Forschunginstitut für Biomaterialien soll neuartige körperverträgliche
Verbundwerkstoffe entwickeln Investition von zunächst 10 Millionen DM in fünf
Jahren - ca. 10 feste Stellen - fachübergreifende Forschung nötig
Bayreuth (UBT). Biomaterialien, also Stoffe, die als Implantate, künstliche Gelenke oder als Träger von Medikamenten im menschlichen Körper bedeutende Funktionen ausüben, kommt immer mehr Bedeutung zu. Und wenn sich die ideellen wie längerfristigen Interessen von Wirtschaftsunternehmen mit dem von Materialforschern verbinden, kommt es zu einer vertraglich fixierten Zusammenarbeit über solche Stoffe wie dieser: Heute haben Mitglieder des Beirats der Friedrich-Baur-Beteiligungs-GmbH (Burgkunstadt) und der Universität Bayreuth einen Vertrag unterzeichnet, der die Finanzierung des Aufbaus und den Betrieb eines Forschungsinstituts für Biomaterialien an der Universität Bayreuth sichert. Das nach dem Gründer des gleichnamigen Versandhandels benannte Friedrich-Baur-Forschungsinstitut für Biomaterialien wird ab Dezember zunächst für fünf Jahre mit jährlich zwei Millionen DM finanziert. Die Leitung hat Professor Dr.-Ing. Günter Ziegler, der Lehrstuhlinhaber für Keramik und Verbundwerkstoffe im Institut für Materialforschung der Universität Bayreuth. Das neue Institut wird etwa zehn fest angestellte Mitarbeiter umfassen.
Viele Unterschriften nötig (vrnl): Uni-Präsident Prof. Helmut Ruppert, Prof. Günter Ziegler, dahinter Uni-Kanzler Klaus-Peter Hentschel, dann der Vorsitzende des Beirats der Baur Beteiligung Gmbh, Wolfgang Winkler, der Geschäftsführer des Beirats, Hans Geiger und Beiratsmitglied Martin Leipold
Wolfgang Winkler, der ehemalige oberfränkische
Regierungspräsident und jetzige Vorsitzende des Beirats der Friedrich-Baur-Beteiligungs
GmbH, verdeutlichte bei der Vertragsunterzeichnung, daß dieses Engagement
der Philosophie der Friedrich-und-Kathi-Baur-Stiftung und der Stifter selbst
entspreche, die im größeren Stile die medizinische Forschung
unterstütze. Die Beteiligungs-GmbH als eigenständige Unternehmenstochter
der Stiftung habe aber nicht nur Interesse an Forschung und Entwicklung
von Biomaterialien, sondern auch an deren späteren Verwertung. Winkler,
der betonte, man wolle mit dem Schritt "auch etwas für die Region
tun", schloß spätere Ausgründungen aus dem Forschungsinstitut
für Biomaterialien nicht aus.
Der Materialforscher Professor Ziegler unterstrich
die Wichtigkeit unternehmerischen Engagements in einem "zukunftsträchtigen
Feld". Fortschritte in der Medizin, insbesondere in der Chirurgie, hingen
im starken Maße von neuen Materialien ab, so Professor Ziegler. Solche
Biomaterialien seien Stoffe, die beim Einsatz im menschlichen Körper
bedeutende Funktionen erfüllen, etwa als Implantate oder Systemkomponenten
und/oder als Instrumente einsetzbar seien. Die erfolgreiche Entwicklung
von Biomaterialien, Biokomponenten und Biosystemen könnten zu völlig
neuen Therapien führen und damit neue Märkte für die Herstellung
von Biokomponenten, -systemen und -instrumenten, erschließen. Ziel
des neuen Instituts sei die Erforschung und Entwicklung von Materialien
vorwiegend aus Keramik, Keramik-Polymeren sowie Keramik-Metall-Verbundwerkstoffen
sowie Werkstoffverbunden, die im menschlichen Körper eingesetzt werden.
Wechselwirkung mit dem lebenden Organismus
Materialien für den Einsatz in der Medizintechnik müßten körperverträglich sein und bestimmte Prozesse, etwa das Einwachsen von Knochenmaterial in ein Implantat beschleunigen. Biomaterialien könnten sowohl im Hart- wie im Weichgewebe als auch im Kreislaufsystem eingesetzt werden. Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei der Wechselwirkung mit dem lebenden Organismus, etwa Körperflüssigkeiten oder Zellengewebe, zu. Bestimmte Metallimplantate, so Ziegler, können nach mehrjähriger Nutzung regelrecht zersetzt sein. Hauptziel müsse es sein, die aktive Integration in den Körper zu erreichen. Unerwünschte Reaktionen wie Entzündungen oder Thrombosen müßten vermindert, erwünschte Körperreaktionen an der Grenzfläche von Implantaten und Biosystemen dagegen stimuliert werden.
Werkstoffverbunde und Verbundwerkstoffe
Keramische Materialien seien aufgrund verschiedener
Eigenschaften als Biomaterialien von großem Interesse. Starke Bedeutung
würden in Zukunft auch Verbunde zwischen Keramik und Polymeren oder
Metallen, sogenannte Werkstoffverbunde und Verbundwerkstoffe, erhalten.
Solche Verbundwerkstoffe zeichneten sich durch anisotrope Eigenschaften
(das sind unterschiedliche physikalische Belastbarkeiten) aus und seien
daher dem natürlichen Aufbau von Knochen sehr ähnlich. Aber nicht
nur die Volumeneigenschaften der Materialien seien von Interesse, sondern
auch deren Oberflächencharakteristik. Die Oberflächenmodifizierung
könne durch die Entwicklung von Werkstoffverbunden, bestehend aus
einem Volumen und einem Oberflächenwerkstoff erfolgen. Der Volumenwerkstoff
erfülle die mechanischen, der Oberflächenwerkstoff dagegen diejenigen
Anforderungen, die die Reaktivität mit dem lebenden Systemen betreffen.
Bioverträglich sollten die Stoffe sein und im Verbund mehrerer Stoffklassen, um die beste Funktionalität zu erreichen: Prof. Ziegler beim Vortrag
Professor Ziegler kündigte an, daß sich das Biomaterialien-Forschungsinstitut mit mehreren Arbeitsschwerpunkten befassen werde. Dazu gehöre die Entwicklung keramischer Anker- und Fixiersysteme aus biokompatiblen und bioresorbierbaren keramischen Materialien, Implantate zur Überbrückung und Auffüllen von Knochendefekten, die Entwicklung von knochenverbindenden und stützenden Platten (Osteosynthese-Platten), die Verbesserung metallischer Gelenkprothesen wie etwa der Hüft- und Kniegelenke und die Entwicklung neuartiger lasttragender Knochenimplantate. Begleitend will man in dem Institut systematische Untersuchungen zu diesen Themenschwerpunkten durchführen, insbesondere zur Mikrostrukturierung und Funktionalisierung von Werkstoffen im Hinblick auf das Körpermilieu.
Fachübergreifende Zusammenarbeit unumgänglich
Die Lösung der vielfältigen Probleme
im System "Technik lebender Organismen" mache die fachübergreifende
Arbeit unumgänglich. Verschiedene Fachdisziplinen wie etwa die Materialwissenschaft,
Biologie, Biochemie, Medizin und Ingenieurwissenschaften müßten
vernetzt werden. Das Fachwissen verschiedener Arbeitsgruppen der Universität
Bayreuth - Professor Ziegler nannte beispielsweise die Molekularbiologie
sowie die Biochemie -, in oberfränkischen Kliniken, aber generell
immer dort, wo Expertentum bestehe, würden in das Konzept einbezogen
werden. Dies gelte für Arbeitsgruppen an den Universitäten Würzburg,
München, Saarbrücken und Aachen. Da die behandelte Problematik
aber international sei, werde man natürlich auch Gastwissenschaftler
aus verschiedenen Ländern zeitlich befristet im Institut beschäftigen.
Paradebeispiel für Zusammenarbeit
Bayreuther Universitätspräsident Professor
Dr. Dr. h. c. Helmut Ruppert nannte das Engagement des oberfränkischen
Unternehmens eine "Paradebeispiel für intensive und geglückte
Zusammenarbeit". Es handele sich um ein beiderseitiges Geben und Nehmen,
das letzten Endes der gesellschaftlichen Entwicklung zugute kommen. An
den Hochschulen gäbe es viele Ideenträger für die oft genug
nicht der finanzielle Rahmen zur Umsetzung der Forschungsleistung zur Verfügung
gestellt werden können. Hier sei die Wirtschaft wichtig, sagte Ruppert,
der daraufhin wies, daß die Universität Bayreuth bei einem jährlichen
Haushalt von etwa 170 Millionen DM 40 Millionen DM an Drittmitteln einwerbe.
Man dürfe auch nicht vergessen, betonte der Präsident, daß
ein solches Engagement nicht nur der Forschung und der Produktverwertung
zugute komme, sondern das entstehende Wissen in der Lehre an die Studierenden
weitergegeben werde.
10 Millionen DM auf fünf Jahre - das ist schon ein guter Grund, darauf anzustoßen (wenngleich auf dem Bild Wolfgang Winkler leider glaslos ist und nur die Uni-Mitglieder Bio-Säfte genießen)